Ausmisten fühlt sich großartig an. Platz. Luft. Übersicht. Und dann passiert das Leben. Man schlendert durch die Stadt, scrollt abends noch ein bisschen, die Woche war stressig. Das Gehirn flüstert: „Gönn dir.“
Ein flauschiger Pullover, der verspricht, alles besser zu machen.
Eine Kerze, die endlich Gemütlichkeit ins Wohnzimmer bringt.
Eine Schale, weil man ja irgendwo Obst reinlegen könnte und überhaupt passt die ja so gut zur Kerze.
Und ehe man es merkt, ist man wieder mitten im alten Kreislauf und denkt sich "Wie konnte das nur passieren?!"
Damit genau das nicht passiert, helfen klare, alltagstaugliche Strategien.
Die Zeit-Regel: Was lange nicht benutzt wird, darf gehen
Gerade am Anfang ist diese Regel Gold wert:
Alles, was du ein Jahr lang nicht benutzt hast, darf gehen.
Zum Beispiel:
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der Mantel, der seit zwei Wintern nur Platz wegnimmt
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die Auflaufform, die du einmal für Gäste gebraucht hast
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das Buch, das du „irgendwann mal lesen willst“ und dann doch ein anderes kaufst
Mit der Zeit kann man die Abstände verkürzen:
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9 Monate
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6 Monate
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für die sehr Konsequenten: 3 Monate
Ich selbst gehe mittlerweile alle 6 Monate durch alle Schränke und Schubladen. Alles, was mich nur anstarrt und im letzten halben Jahr nicht benutzt wurde, darf gehen. Ohne Diskussion.
1 in, 1 out – Besitz in Balance halten
Kommt etwas Neues ins Haus, geht etwas Vergleichbares. Ohne Ausnahme.
Neue Jeans? Eine alte verlässt den Schrank.
Neuer Pullover? Ein anderer darf gehen.
Neue Pfanne? Die verkratzte zieht aus.
So wächst dein Besitz nicht mehr unbemerkt – egal wie oft du einkaufen gehst.
Und du überlegst zweimal, ob du wirklich schon bereit bist, etwas gehen zu lassen. Denn wenn man direkt weggeben "muss", anstatt die Dinge erstmal nur in ihrer Schublade versauern zu lassen, fühlt sich das Ganze schon anders an.
Die 20–20-Regel – Angst vor Fehlentscheidungen nehmen
Besonders geeignet für die "vielleicht-brauche-ich-das-nochmal-Kandidaten" und die "aus-Sorge-Behalter":
Die 20–20-Regel sagt:
Alles, was man für unter 20 Euro und innerhalb von 20 Minuten ersetzen könnte, muss man nicht aus Angst behalten.
Das sind zum Beispiel:
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einfache Tassen
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Ladekabel (Wisst ihr eigentlich, wie viele Ladekabel sich mit der Zeit anhäufen, die man nicht braucht?)
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Scheren
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Notizbücher
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Küchenhelfer
Diese Regel nimmt unglaublich viel Druck aus dem Loslassen.
30 Tage warten – der Warenkorb-Test
Alles, was nicht dringend ist, bleibt mindestens 30 Tage im Warenkorb.
Nach dieser Zeit:
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ist der Pullover plötzlich gar nicht mehr so spannend
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hat man die Vase komplett vergessen
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fühlt sich der Kaufwunsch erstaunlich leer an
Und wenn nicht, dann ist es vermutlich eine bewusste Entscheidung.
Den ersten Impuls stoppen – bevor er klickt
Der erste Kaufimpuls ist fast immer emotional.
Beispiele:
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„Das habe ich mir verdient.“
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„Das macht es gemütlicher.“
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„Das kostet ja nicht viel.“
Ein kurzer Stopp hilft:
Einmal schlafen. Einmal weggehen. Einmal nicht sofort reagieren.
Frustshoppen umlenken
Wenn Kaufen zur Belohnung wird, braucht es Alternativen.
Statt:
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Online-Shopping nach einem stressigen Tag
Lieber:
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ein Spaziergang
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Musik
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Bewegung
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ein warmes Getränk
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bewusst nichts tun
Das Gefühl vergeht. Die Bestellung bleibt aus.
Leihen statt besitzen
Eine ehrliche Frage hilft enorm:
Brauche ich das wirklich selbst?
Zum Beispiel:
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die Heckenschere für einmal im Jahr
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der Raclette-Grill für Weihnachten
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die Bohrmaschine für ein einziges Regal
Oft reicht Leihen völlig aus. Und spart Platz, Geld und spätere Entscheidungen.
Leere als neuen Standard akzeptieren
Leere Flächen fühlen sich am Anfang ungewohnt an.
Ein leeres Regal.
Eine freie Ecke.
Eine Schublade, die nicht randvoll ist.
Doch genau diese Leere bringt Ruhe. Und schützt davor, sie sofort wieder füllen zu wollen.
Regelmäßige Mini-Checks
Einmal im Monat kurz durchs Zuhause gehen:
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Welche Dinge sind neu dazugekommen?
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Was nutze ich nicht mehr?
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Was nervt mich inzwischen?
So bleibt Ordnung ein Zustand – und kein Projekt.
Fazit
Dranbleiben ist keine Frage von Disziplin.
Sondern von ehrlichen Hinterfragungen und kleinen Gewohnheiten.
Nicht jeder Kauf ist falsch.
Aber nicht jeder Impuls muss erfüllt werden.
Und genau dort entsteht langfristig das, was wir eigentlich suchen:
Ein aufgeräumtes Zuhause, ein klarer Kopf – und deutlich weniger Dinge, die uns irgendwann wieder beschäftigen.
Anfang verpasst? Hier geht es nochmal zu Teil 1 der Reihe - Ausmisten anfangen
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