Du hast angefangen. Herzlichen Glückwunsch.
Allein das hebt dich schon deutlich von der Gruppe „Ich müsste wirklich mal…“ ab.
Jetzt stellt sich die nächste Frage:
Wie bleibe ich dran, ohne nach drei Tagen entnervt zwischen drei halb leeren Kisten zu sitzen und mir zu denken, warum ich mir das eigentlich antue?
Die Antwort: mit einer Methode, die nicht nur funktioniert, sondern auch zu deinem Alltag passt. Und ja, Ausmisten darf sogar Spaß machen.
Die KonMari-Methode – oder: Der Moment, in dem man sich fragt, wie das alles hier landen konnte
Die KonMari-Methode stammt von Marie Kondo, einer japanischen Aufräum-Expertin und Autorin des Buches „Magic Cleaning“.
Ihr Ansatz ist radikal ehrlich:
Nicht Raum für Raum, sondern Kategorie für Kategorie.
Die klassischen Kategorien:
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Kleidung
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Bücher
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Papier (Dokumente, Zeitschriften,...)
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Komono (Kleinkram aus Küche, Bad, Technik & Co.)
-
Sentimentales (Fotos, Erinnerungsstücke,...)
Man beginnt mit Kleidung und arbeitet sich durch die jeweiligen Kategorien. Wirklich alles aus einer Kategorie kommt auf einen großen bis enorm riesigen Haufen. Man nimmt jedes einzelne Teil in die Hände und betrachtet es. (Auch jede gelesene Tina-Zeitschrift und jede Socke). Und dann wird die berühmte Frage gestellt: "Does it spark joy?" - Macht es dich glücklich?
Ich habe das genauso gemacht.
Und stand am ersten Tag vor einem Turm aus Stoff, der mir sehr deutlich sagte:
„Hallo, wir müssen reden.“
Ich habe mich geschämt. Wirklich.
So viele Teile, die ich vergessen hatte. Kleidung für mindestens drei Versionen meiner selbst.
Aber genau dieser Moment war entscheidend. Denn wenn man erst einmal alles sieht, fällt es plötzlich leicht, sich zu fragen:
Trage ich das wirklich – oder trage ich nur die Idee davon? Und man macht diese absurde Erfahrung, dass das Herz bei der Lieblingshose wirklich kurz schneller schlagen kann, wenn man sie knuddelt. Genauso stellt man aber auch fest, dass man keine Ahnung hat, wo diese Fotoaufnahme von diesem Salat entstanden ist und dass dieser Salat einem mittlerweile ziemlich egal ist.
Die Box-Methode – oder: „Ich entscheide später“
Diese Methode ist perfekt für Menschen, die bei Entscheidungen innerlich ein kleines Drama veranstalten.
Alles, bei dem du unsicher bist, kommt in eine beschriftete Kiste. Diese Kiste wandert an einen Ort, an dem sie nicht ständig „Hallo?“ ruft.
Wenn du den Inhalt nach Wochen oder Monaten nicht vermisst hast, ist die Entscheidung meistens schon gefallen.
Kein Stress. Kein Zwang. Keine Trennungsschmerzen.
Die Umzugskarton-Methode – brutal ehrlich, aber effektiv
Diese Methode tut so, als würdest du umziehen.
Du packst alles in Kartons. Ja, allein das braucht Zeit, also nicht als Feierabendprojekt planen. Alles, was du im Alltag brauchst, wirst du automatisch wieder auspacken. (Also die Kartons gut beschriften)
Der Rest bleibt liegen. Und wartet. Und zeigt dir sehr eindrucksvoll, wie viel man besitzen kann, ohne es zu brauchen.
Nach einer festgelegten Zeit darf alles gehen, was immer noch im Karton schlummert.
Die Korb-Methode – täglich ein bisschen Freiheit
Diese Methode ist wunderbar alltagstauglich.
Du nimmst dir jeden Tag einen Korb oder eine Kiste und gehst einmal bewusst durch dein Zuhause. Alles, was du nicht benutzt, doppelt hast oder das dir einfach nur Platz klaut, kommt hinein.
Nicht nachdenken. Nicht rechtfertigen. Rein damit.
Nach einer Woche wird der Korb geleert: verschenkt, verkauft oder entsorgt. Dies kann beliebig oft wiederholt werden
Kleiner Aufwand, große Wirkung.
Die Schubladen-Methode – Minimalismus für Realisten
Eine Schublade. Ein Fach. Ein Regalboden.
Mehr nicht.
Diese Methode ist perfekt für Tage, an denen man eigentlich keine Lust hat, aber trotzdem etwas tun möchte. Und erstaunlicherweise sind genau das die Tage, an denen man am ehesten dranbleibt.
Die Challenge-Methode – spielerisch, aber nicht zu unterschätzen
Tag 1 ein Teil geht.
Tag 2 zwei Teile gehen.
Tag 3 drei Teile gehen.
Und so weiter bis Tag 30.
Und nein:
Du wirst danach nicht nackt im leeren Wohnzimmer sitzen.
Der durchschnittliche Mensch besitzt 10000 Dinge. Selbst dieses konsequente Aussortieren von insgesamt 465 Dingen führt eher zu einem „Oh, das fühlt sich gut an“ als zu einem „Hilfe“.
Fazit
Ausmisten darf leicht sein.
Es darf chaotisch anfangen.
Es darf auch emotional sein, wenn man Erinnerungsstücke loslässt und sie "nur" im Herzen behält.
Und es darf sogar Spaß machen.
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen.
Sondern darum, sich zwischen all dem, was bleibt, wieder wohlzufühlen.
Und falls du dich zwischendurch fragst, wie es so weit kommen konnte:
Du bist nicht allein.
Und wie bleibt man jetzt dabei?
Ausmisten ist geschafft – und jetzt?
In Teil 3 geht es darum, wie man dauerhaft dabei bleibt, alte Konsummuster erkennt und verhindert, dass sich Schränke und Schubladen heimlich wieder füllen.
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