Wenn man mich vor zehn Jahren gefragt hätte, wie viele Produkte man für eine gesunde Haut braucht, hätte ich wahrscheinlich geantwortet: ziemlich viele.
Zumindest habe ich das damals geglaubt.
Denn überall bekam man vermittelt, dass gute Haut das Ergebnis der richtigen Pflege sei. Da gab es Reinigungsprodukte, Gesichtswasser, Tagescremes, Nachtcremes, Seren, Masken, Peelings und natürlich Produkte für ganz spezielle Probleme, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie überhaupt hat.
Kaum hatte man eine Drogerie betreten, wurde einem erklärt, was der Haut angeblich noch fehlt.
Mehr Feuchtigkeit.
Mehr Pflege.
Mehr Schutz.
Mehr Glow.
Mehr von allem.
Das Problem war nur: Je mehr ich ausprobierte, desto schlechter wurde meine Haut.
Die ewige Suche nach dem richtigen Produkt
Meine Haut war schon immer empfindlich. Mal gab es rote Stellen, mal trockene Stellen und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie einfach auf alles beleidigt reagierte, was ich ihr vorsetzte.
Also machte ich das, was vermutlich viele Menschen tun.
Ich suchte nach Lösungen.
Wenn eine Creme nicht funktionierte, probierte ich die nächste. Wenn ein Produkt versprach, besonders sanft zu sein, landete es früher oder später in meinem Badezimmer. Und wenn irgendwo von einer neuen Wunderpflege die Rede war, dachte ein kleiner Teil von mir jedes Mal: Vielleicht ist es diesmal die richtige.
Natürlich war sie es nie.
Stattdessen wurde mein Badezimmerschrank immer voller.
Und meine Haut immer empfindlicher.
Und mein Konto immer leerer.
Natürlich besuchte ich zudem regelmäßig einen Kosmetiksalon, nur um noch mehr auszugeben und noch mehr "wirklich helfende" Produkte zu kaufen.
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mehr Pflegeprodukte besaß als Tassen. Das allein hätte mir vielleicht schon zu denken geben sollen.
Der Moment, in dem ich einfach keine Lust mehr hatte
Irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich einfach keine Lust mehr hatte.
Keine Lust mehr auf die Suche nach der perfekten Creme. Keine Lust mehr auf Produkte, die meine Haut angeblich beruhigen sollten und sie stattdessen noch empfindlicher machten. Und vor allem keine Lust mehr auf dieses Gefühl, ständig irgendetwas optimieren zu müssen.
Eines Morgens stand ich vor meinem Badezimmerschrank und betrachtete die Sammlung an Produkten, die sich dort angesammelt hatte. Es waren so viele, dass ich bei einigen nicht einmal mehr wusste, warum ich sie ursprünglich gekauft hatte.
Und plötzlich stellte ich mir eine Frage, die mir vorher nie in den Sinn gekommen war:
Was wäre eigentlich, wenn das Problem gar nicht darin liegt, dass meiner Haut etwas fehlt?
Was wäre, wenn sie einfach zu viel bekommt?
Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los.
Also begann ich, nach und nach Dinge wegzulassen. Nicht radikal und nicht von heute auf morgen. Dafür kenne ich mich zu gut. Große Veränderungen klingen oft wunderbar, scheitern aber manchmal schon nach wenigen Tagen an der Realität.
Also ging ich langsam vor.
Zuerst verschwand ein Serum.
Dann eine Creme.
Später noch eine weitere.
Immer wenn ein Produkt leer war, kaufte ich es nicht automatisch nach. Stattdessen fragte ich mich, ob ich es überhaupt vermisst hatte. Erstaunlich oft lautete die Antwort: nein.
Und auf das Haltbarkeitsdatum zu schauen hat auch in vielen Fällen geholfen, denn ja! Cremes laufen ab.
Wie aus einer langen Routine plötzlich drei Produkte wurden
Mit der Zeit wurde meine Pflegeroutine immer einfacher.
Und während mein Badezimmerschrank leerer wurde, passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Meine Haut wurde ruhiger.
Nicht über Nacht. Es gab keinen magischen Moment, in dem ich morgens aufwachte und plötzlich perfekte Haut hatte. So funktionieren die meisten Dinge im Leben leider nicht. Aber Woche für Woche bemerkte ich kleine Veränderungen. Die ständigen roten Stellen wurden weniger. Meine Haut spannte nicht mehr so oft. Und dieses Gefühl, ständig gegen sie kämpfen zu müssen, verschwand langsam.
Heute besteht meine Gesichtspflege aus Wasser, einem Stück Naturseife und kaltgepresstem Jojobaöl.
Mehr nicht. (Ich benutze übrigens dieses hier)
Wenn mir das früher jemand erzählt hätte, hätte ich vermutlich gelacht.
Damals war ich überzeugt, dass gute Hautpflege kompliziert sein muss. Schließlich wollten Werbung, Drogerieregale und das halbe Internet mir genau das erzählen. Zwischen koreanischen 18-Schritte-Routinen, Seren für morgens, Seren für abends und Produkten, die man in einer ganz bestimmten Reihenfolge auftragen sollte, hatte ich manchmal das Gefühl, Hautpflege sei mittlerweile ein Nebenjob geworden.
Heute denke ich manchmal, dass meine Haut einfach nur ihre Ruhe haben wollte. Und ehrlich gesagt kann ich das nachvollziehen. Wenn ich jeden Tag mit fünf verschiedenen Produkten eingerieben werden würde, wäre ich vermutlich auch irgendwann beleidigt.
Mein Badezimmer sieht heute ziemlich langweilig aus
Wer heute meinen Badezimmerschrank öffnet, wäre wahrscheinlich enttäuscht. Keine luxuriösen Tiegel, keine komplizierten Routinen, keine Produkte mit Namen, die eher nach Chemieunterricht als nach Hautpflege klingen.
Für die Haare benutze ich Haarseife. Für das Gesicht wie gesagt Wasser und Naturseife und ab und an wird sie mit einem Tropfen Jojobaöl verwöhnt.
Und das war es auch schon. Auf neumodisch nennt man das "Skinimalism" - Minimalismus in der Hautpflege.
Manchmal denke ich daran zurück, wie viel Zeit ich früher in Drogerien verbracht habe. Ich stand vor meterlangen Regalen und verglich Inhaltsstoffe, Versprechen und Verpackungen, als würde ich eine wissenschaftliche Studie vorbereiten. Heute habe ich keinen Grund mehr, in eine Drogerie zu gehen. Mein Geldbeutel findet diese Entwicklung übrigens ebenfalls hervorragend.
Das Produkt, das ich selbst mache
Mein Deo stelle ich selbst her. Nicht, weil ich plötzlich zur DIY-Königin geworden bin. Wer mich kennt, weiß, dass meine Talente eher in anderen Bereichen liegen.
Aber dieses Rezept ist selbst für Menschen geeignet, die normalerweise schon beim Zusammenbauen eines Ikea-Regals ins Schwitzen geraten.
Es besteht aus Kokosöl, Natron und Speisestärke. Wer mag, kann ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzufügen. Mehr braucht es nicht. Natürlich verhindert es das Schwitzen nicht. Aber ganz ehrlich: Das soll es auch gar nicht.
Unser Körper schwitzt schließlich nicht aus Langeweile. Es verhindert lediglich unangenehme Gerüche, funktioniert erstaunlich zuverlässig und kostet nur einen Bruchteil dessen, was ich früher für Deos ausgegeben habe. Und ganz sicher kostet es mich nicht meine Gesundheit.
Warum Schminken für mich immer unwichtiger geworden ist
Ähnlich war es übrigens beim Thema Make-up.
Früher gehörte Schminken für mich ganz selbstverständlich dazu. Nicht unbedingt jeden Tag in voller Montur, aber Mascara war eigentlich immer dabei. Wie vermutlich viele Frauen habe ich mich daran gewöhnt, dass man sich mit ein bisschen Make-up irgendwie „fertiger“ fühlt.
Irgendwann begann allerdings auch hier meine Haut, beziehungsweise genauer gesagt meine Augen, deutlich ihre Meinung zu äußern.
Zunächst waren es nur leichte Reizungen. Dann juckten die Augen nach dem Abschminken. Später reagierte ich sogar auf Produkte, die ich jahrelang problemlos benutzt hatte. Besonders bei Mascara wurde es irgendwann so unangenehm, dass ich mich jedes Mal fragte, ob es das wirklich wert ist.
Eine Zeit lang versuchte ich natürlich, Alternativen zu finden. Andere Marken. Sensitiv-Produkte. Naturkosmetik. Die Hoffnung, doch noch die eine Mascara zu entdecken, die meine Augen akzeptieren würden, hielt sich erstaunlich lange.
Gefunden habe ich sie nie. Stattdessen passierte etwas Unerwartetes.
Je seltener ich mich schminkte, desto normaler fühlte sich mein ungeschminktes Gesicht an. Anfangs war das ungewohnt. Wenn man viele Jahre daran gewöhnt ist, sich mit Mascara oder anderen Produkten im Spiegel zu sehen, wirkt das eigene Gesicht ohne diese Dinge plötzlich fremd.
Zumindest ging es mir so und ich war eine dieser Personen, die selbst zum einkaufen Make-up getragen hat.
Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich daran gewöhnt hatte. Und je mehr Zeit verging, desto weniger hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt.
Das Schönste daran ist: Ich habe gelernt, mein Gesicht so zu mögen, wie es ist. Mit all den kleinen Besonderheiten, die dazugehören. Ohne Mascara. Ohne Make-up. Ohne das Gefühl, erst etwas auftragen zu müssen, bevor ich vor die Tür gehen kann.
Und ehrlich gesagt ist das eine Freiheit, mit der ich früher nie gerechnet hätte.
Was meine Haut mich gelehrt hat
Wenn ich heute auf diese ganze Reise zurückblicke, dann geht es für mich längst nicht mehr nur um Hautpflege.
Natürlich freue ich mich darüber, dass meine Haut heute ruhiger ist als früher. Dass sie nicht mehr ständig spannt, juckt oder auf jedes neue Produkt beleidigt reagiert. Aber die eigentliche Veränderung fand irgendwo anders statt.
Früher war ich ständig auf der Suche nach der nächsten Lösung. Nach dem nächsten Produkt. Nach dem nächsten Versprechen auf einer Verpackung.
Immer in der Hoffnung, dass es da draußen noch etwas geben muss, das alles noch ein bisschen besser macht.
Heute denke ich oft, dass meine Haut mir eigentlich nur etwas sagen wollte, das ich in vielen Bereichen meines Lebens lernen musste.
Mehr ist nicht automatisch besser.
Manchmal wird etwas erst dann besser, wenn wir aufhören, ständig etwas hinzuzufügen.
Das gilt für Hautpflege genauso wie für Kleiderschränke, Terminkalender oder den Keller, den man eigentlich schon vor drei Jahren aufräumen wollte.
Manchmal braucht es nicht noch eine Creme, noch ein Produkt oder noch eine neue Lösung.
Manchmal braucht es einfach etwas weniger.
Weniger Reize.
Weniger Konsum.
Weniger Perfektionsansprüche.
Weniger Druck.
Wenn ich heute morgens mein Gesicht mit Wasser wasche, einen Tropfen Jojobaöl auftrage und anschließend in den Spiegel schaue, dann sehe ich keine perfekte Haut.
Aber ich sehe eine Haut, die sich wohlfühlt.
Und irgendwie geht es mir genauso.
Vielleicht ist genau das das Schönste, was mir der Minimalismus geschenkt hat: das Gefühl, dass ich nicht ständig etwas brauche, um vollständig zu sein.
Weder in meinem Badezimmerschrank noch in meinem Leben.
Und ehrlich gesagt fühlt sich das deutlich besser an als jede Wundercreme, die ich jemals ausprobiert habe.
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