Willkommen im echten sizilianischen Wohnungsmarkt

Veröffentlicht am 24. Mai 2026 um 07:00

Wie ich plötzlich in einem sizilianischen Haus gelandet bin

Eigentlich hatte ich mir mein Leben auf Sizilien anders vorgestellt.

Mehr Hausbau. Mehr Ankommen. Mehr „ich habe mein Leben im Griff“.

Stattdessen wohne ich nach einem schicksalsschweren Ereignis nun erstmal allein zur Miete in einem kleinen Haus zwischen Orangenbäumen, bis geklärt ist, wie es weitergeht.

Und ehrlich gesagt ist genau das gerade nochmal eine komplett neue Erfahrung.

Denn Urlaub auf Sizilien und wirklich in einem sizilianischen Haus zu wohnen, sind zwei SEHR unterschiedliche Dinge.

Im Urlaub denkt man:
„Wie charmant hier alles aussieht.“

Wenn man hier lebt, denkt man eher:
„Interessant. Warum ist dieses Fenster halb zugemauert?“

Das Badezimmerfenster basiert auf Hoffnung

Mein Badezimmer hat nämlich kein normales Fenster.

Also theoretisch schon. Praktisch wurde ungefähr die Hälfte irgendwann zugemauert und der Rest endet in einem Rollladen-Konstrukt, das vermutlich nur der Maurer selbst jemals vollständig verstanden hat. Eine Glasscheibe gibt es nicht - wieso auch. Muss ja eh gelüftet werden.

Aber wisst ihr was?
Es funktioniert.

Und ich glaube, das ist generell die wichtigste Regel sizilianischer Häuser:
Nicht hinterfragen. Einfach akzeptieren.

Die Sache mit dem Klopapier

Außerdem gibt es Themen, auf die einen wirklich niemand vorbereitet.

Zum Beispiel:
Klopapier gehört hier oft NICHT ins Klo.

Mein deutsches Gehirn war anfangs damit emotional komplett überfordert.

Aber nachdem man ungefähr fünfmal gesagt bekommt:
„No no no no no!“
… lernt man relativ schnell, die örtlichen Rohrsysteme zu respektieren.

Man möchte gewisse Dinge wirklich nicht beim nächsten Spaziergang wiedersehen.

Mein Mitbewohner Günther

Außerdem wohnt man hier selten allein.

In meinem Fall lebt (wohl gemerkt neben meinen Katzen) ein Gecko mit im Haus, der inzwischen Günther heißt und sich verhält, als würde ich eigentlich bei IHM zur Miete wohnen.

Anfangs bin ich noch leicht panisch zusammengezuckt, wenn plötzlich irgendwas an der Wand entlanglief.

Mittlerweile sitzen Günther und ich abends einfach schweigend im selben Raum und akzeptieren gegenseitig unsere Existenz.

Wobei ich trotzdem gern darauf verzichten würde, regelmäßig Insekten zu sehen, die aussehen wie fliegende Fitnessstudios.

Außen leicht Baracke, innen überraschend süß

Was mich wirklich überrascht hat:
Viele Häuser sehen von außen erstmal aus, als würde dort entweder niemand wohnen oder jemand seit 1983 denselben Hammer suchen.

Und dann geht man rein — und plötzlich ist alles irgendwie gemütlich.

Alte Holzmöbel.
Kleine Küchen.
Bunte Wachstischdecken.
Häkeldeckchen.
Vorhänge mit Fruchtmuster.

Alles ein bisschen zusammengewürfelt, ein bisschen stehengeblieben und komplett immun gegen Einrichtungstrends.

Und genau das macht es irgendwie sympathisch.

Rasenmäher haben hier vermutlich keinen Absatzmarkt

Auch draußen merkt man schnell, dass Sizilien andere Prioritäten hat.

In Deutschland würde wahrscheinlich irgendwann jemand nervös aus dem Fenster schauen und passive aggressive Gartenenergie entwickeln.

Hier wächst einfach alles fröhlich vor sich hin.

Gras. Büsche. Zitronenbäume. Pflanzen, die entweder wunderschön oder hochgiftig sind — man weiß es nicht genau.

Und niemand scheint sich daran zu stören.

Rasenmäher haben hier vermutlich einfach nie richtig Fuß gefasst.

Sizilianische Häuser ergeben manchmal keinen Sinn — aber genau das mag ich daran

Natürlich ist hier nicht alles perfekt.

Die Wände bröckeln manchmal.
Irgendwo lebt immer ein Gecko.
Das Badezimmer basiert teilweise auf kreativen Entscheidungen und Panzertape ist der beste Freund.

Aber gleichzeitig fühlen sich diese Häuser oft deutlich echter an als viele perfekt sanierte Wohnungen.

Nicht geschniegelt.
Nicht durchgestylt.
Nicht perfekt.

Dafür voller Leben, Geschichten und sehr fragwürdiger Fensterlösungen.

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