Oder: Wie man freiwillig Bürokratie, Baustress und Chaos wählt – und trotzdem glücklich ist.
Es gibt Entscheidungen im Leben, die trifft man ganz rational: Versicherungen abschließen, Steuererklärungen machen, Zahnarzttermine vereinbaren. Und dann gibt es Entscheidungen, die trifft man mit dem Herzen, mit einem Glas Wein in der Hand und einem breiten Lächeln im Gesicht. Mein Hausbauprojekt auf Sizilien gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Denn seien wir ehrlich: Ein Haus in Sizilien zu bauen klingt romantisch, nach Zitronenbäumen, Meeresbrise, langen Sommerabenden und entspanntem Dolce Vita. In der Realität bedeutet es aber auch: fremde Sprache, andere Mentalität, italienische Bürokratie, Wartezeiten und sehr viele „Domani“, die sich manchmal eher wie „irgendwann“ anfühlen.
Warum also tut man sich das freiwillig an?
Eigentlich sollte alles ganz einfach werden: Ein bisschen Sonne, ein bisschen Meer, ein neues Leben unter Palmen. Fernab vom grauen Deutschland. Vielleicht etwas mieten, vielleicht etwas kaufen. Überschaubar, entspannt, unkompliziert. So zumindest der ursprüngliche Plan.
Doch wie das mit Träumen so ist: Sie bleiben selten klein.
Was als gemeinsames Projekt mit der besten Freundin begann, entwickelte sich während der Planung schnell weiter. Irgendwann schalteten sich auch die Eltern ein, plötzlich wurde aus einem Zwei-Personen-Traum ein Familienprojekt. Und am Ende stand eine ziemlich große Idee im Raum: Warum nicht gleich richtig bauen? Und wenn schon, dann direkt zwei Häuser.
Von mieten und kaufen zu bauen
Viele, die nach Süditalien auswandern oder sich dort ein zweites Zuhause schaffen möchten, starten mit der gleichen Überlegung: Mieten oder kaufen?
Beides hat klare Vorteile. Mieten bedeutet Flexibilität, wenig Risiko und schnelle Lösungen. Kaufen klingt nach Sicherheit, Besitz und langfristiger Planung. Doch in der Praxis zeigt sich schnell, dass passende Objekte schwer zu finden sind.
Entweder stimmt die Lage nicht, der Grundriss ist unpraktisch, die Bausubstanz fragwürdig oder das Gesamtpaket fühlt sich einfach nicht richtig an. Sehr häufig passt etwas nicht, und Kompromisse häufen sich.
Irgendwann taucht dann der Gedanke auf, der alles verändert: Was wäre, wenn man einfach selbst baut?
Wenn Träume anfangen zu wachsen
Bauen eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Auf einmal darf man träumen. Von offenen Räumen. Von viel Licht. Von Terrassen, die genau dort liegen, wo abends die Sonne untergeht. Von Grundrissen, die sich dem eigenen Leben anpassen und nicht umgekehrt.
Und dann passiert das, was fast immer passiert: Die Träume werden größer. Viel größer.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um ein kleines Häuschen, sondern um Lebensqualität, Komfort, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Außenbereiche, Gärten, Gästezimmer, Einrichtungsstile und Arbeitsräume. Kurz gesagt: um ein Zuhause, das sich wirklich nach Zuhause anfühlt.
Dabei zeigt sich schnell ein überraschender Punkt: Bauen ist am Ende oft gar nicht so viel teurer als Kaufen. Vor allem dann, wenn man bedenkt, wie viele Renovierungen, Umbauten und Kompromisse man sich spart.
Warum ausgerechnet Sizilien?
Sizilien bietet eine Kombination, die man so kaum woanders findet: beeindruckende Landschaften, Meer, Berge, lebendige Städte, kleine Dörfer, jahrtausendealte Geschichte, großartiges Essen und eine Mentalität, die das Leben entschleunigt. Und vor allem: Richtig viel Sonnenschein.
Gleichzeitig sind Grundstückspreise und Baukosten in vielen Regionen noch moderat. Wer bereit ist, sich auf italienische Bürokratie, längere Wartezeiten und eine andere Arbeitskultur einzulassen, bekommt hier unglaublich viel Lebensqualität.
Sizilien ist kein Ort für Perfektionisten. Aber ein perfekter Ort für Menschen, die Echtheit, Wärme und Lebensfreude schätzen.
Außerdem waren meine beste Freundin und ich in die Insel verliebt, als wir sie das erste Mal betraten :)
Die große Frage: Warum tut man sich das an?
Ein Hausbau im Ausland bedeutet Organisation, Geduld, Nerven und Flexibilität. Er bedeutet Umwege, Verzögerungen und sehr viele Lernprozesse. Für uns bedeutet er zudem 1-2 Jahre Leben im Wohnwagen. Aber er bedeutet auch: Freiheit, Gestaltungsspielraum und das gute Gefühl, etwas Eigenes zu schaffen.
Für viele ist genau das der entscheidende Punkt. Nicht einfach irgendwo wohnen, sondern einen Ort erschaffen, der wirklich zum eigenen Leben passt.
Und vielleicht ist genau das der größte Mehrwert dieses Projektes: zu zeigen, dass mutige Entscheidungen, große Träume und ungewöhnliche Wege oft die sind, die am meisten zurückgeben.
Im nächsten Teil geht es um die Grundstückssuche:
Wie man in Sizilien geeignete Grundstücke findet, worauf man achten sollte und welche Fehler sich leicht vermeiden lassen.
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