Hausbau in Sizilien – oder: Warum der erste Spatenstich Geduld braucht

Veröffentlicht am 14. Januar 2026 um 15:09

Ein Grundstück in Sizilien zu finden, das uns gefällt, war erstaunlich einfach.
Es gibt viele Angebote, sogar auf deutschsprachigen Seiten. Plattformen wie Casa in Sicilia machen die Suche angenehm übersichtlich und vermitteln schnell das Gefühl: Ach, das geht ja alles ganz unkompliziert.

Spoiler:
Das Grundstück zu finden ist der einfache Teil.


Zwei Hektar, Meerblick und große Pläne

Wir haben ein Agrargrundstück mit zwei Hektar gekauft. Olivenhaine als Nachbarn, Weite, Meerblick. Genau das, was wir gesucht haben.

Fakten, die man wissen sollte:

  • Auf Agrarland darf 1 % der Grundstücksfläche bebaut werden

  • Bei zwei Hektar klingt das erstmal nach viel, relativiert sich aber schnell

  • Dafür gibt es oft genau das, wovon man träumt: Ruhe, Natur, Platz und Ausblick

Was man dafür definitiv mitbringen muss: Geduld. Sehr viel Geduld.

Papier ist geduldig – Sizilien auch

Bevor auch nur ein Stein bewegt werden darf (Wortwörtlich! Bei jeglicher "Erdbewegung" kann es dazu kommen, dass keine Baugenehmigung erfolgt!), passiert Folgendes:

  • Kaufvertrag aufsetzen

  • Steuernummern beantragen

  • Architekt finden

  • erste Entwürfe erstellen

  • Entwürfe überarbeiten

  • warten

  • erneut überarbeiten

  • wieder warten

Und das alles nicht parallel, sondern nacheinander. Sehr italienisch.

Seit über einem Jahr warten wir nun auf die finale Baugenehmigung, damit es endlich losgehen darf. Der erste Spatenstich ist also bislang ein theoretisches Konzept.


Kreative Freiheit? Ja. Aber nur ein bisschen.

Ein pinkes Haus mit türkisfarbenen Fensterläden?
Nein.

Auch wenn wir es ohnehin nicht wollten: In Sizilien gibt es sehr genaue Vorgaben, wie gebaut werden darf.

  • Farben müssen sich in die Landschaft einfügen

  • Formen sind vorgegeben

  • Dachneigungen, Materialien, Fenstergrößen

  • alles wird geprüft

Das Ziel ist klar: Neubauten sollen sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Was auf der einen Seite einschränkt, schützt auf der anderen Seite genau das, was Sizilien so besonders macht.


Wenn plötzlich alle kommen

Bevor gebaut werden darf, schaut gefühlt halb Sizilien vorbei:

  • Bodenproben werden genommen

  • ein Geologe prüft das Grundstück

  • der Denkmalschutz schaut, ob irgendwo etwas Historisches schlummert

  • verschiedene Behörden geben ihr Okay oder eben auch nicht

Manchmal wartet man Wochen auf Rückmeldungen. Manchmal Monate.
Und manchmal weiß niemand so genau, warum es gerade nicht weitergeht.

 

Fazit: Nichts für Ungeduldige – aber es lohnt sich

Hausbau in Sizilien ist kein Sprint. Es ist ein sehr, sehr langer Spaziergang.
Mit Pausen. Vielen Pausen.

Man braucht:

  • gute Beratung

  • lokale Hilfe

  • einen Architekten mit Erfahrung

  • und die Fähigkeit, loszulassen (oder man muss das sehr dringend lernen)

Denn am Ende läuft alles etwas langsamer.
Aber vielleicht passt genau das auch ganz gut zu einem Leben in Sizilien.

Der Meerblick wartet.
Und irgendwann kommt dann auch der erste Spatenstich.

 

 

Wie wir bis zum Baustart im Wohnwagen leben, kannst du hier lesen.

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