Die Scala dei Turchi liegt nur einen Nachbarort von uns entfernt und trotzdem hatte ich sie lange nicht bewusst besucht. Vielleicht, weil sie so bekannt ist. Vielleicht, weil man glaubt, man kenne sie schon von Fotos.
Im Januar stand ich dann plötzlich davor.
Und was mich erwartete, war nicht spektakulär laut, sondern spektakulär still.
Ein weiter, fast leerer Strand. Kaum Touristen. Nur das Meer, der Wind und diese riesige, strahlend weiße Felsformation, die sich wie eine natürliche Treppe ins Wasser schiebt.
Was ist die Scala dei Turchi eigentlich?
Die Scala dei Turchi ist eine markante Kalksteinformation an der Südküste Siziliens, nahe Realmonte bei Agrigent. Der Name bedeutet übersetzt „Treppe der Türken“.
Historisch gesehen ist das ein kleiner Fun Fact:
Mit „Türken“ waren früher die Sarazenen gemeint, die mit ihren Schiffen an dieser Küste landeten. Die glatten, stufenartigen Felsen boten einen idealen natürlichen Zugang vom Meer aus. Heute kommen hier keine Piraten mehr an Land, sondern Besucher aus aller Welt.
Auch ohne Hinaufgehen ein magischer Ort
Als wir dort waren, waren die Felsen abgesperrt. Man konnte sie nicht betreten.
Und überraschenderweise hat das nichts von ihrer Wirkung genommen.
Im Gegenteil. Die Scala dei Turchi einfach zu betrachten, von unten, hatte etwas Ehrfürchtiges. Die weichen Linien, das helle Weiß, das je nach Licht fast golden wirkt, und das tiefe Blau des Meeres daneben.
Manchmal muss man Orte nicht betreten, um sie wirklich zu erleben.
Warum die Felsen so weiß sind
Die markante Farbe entsteht durch Mergel, ein weiches Sedimentgestein aus Kalk und Ton. Es ist extrem empfindlich. Genau deshalb steht die Scala dei Turchi heute unter Schutz. Das Abbrechen von Stücken und unachtsames Verhalten haben in den letzten Jahren Spuren hinterlassen.
Die Absperrungen sind kein Verlust, sondern ein Versuch, diesen Ort für die Zukunft zu bewahren.
Wann du die Scala dei Turchi besuchen solltest
Wenn du die Möglichkeit hast, meide die klassischen Sommermonate.
Nicht, weil die Scala dann weniger schön wäre, sondern weil sie außerhalb der Saison eine ganz andere Wirkung entfaltet.
Im Winter und in den Randmonaten gehört der Ort fast wieder sich selbst.
Und man bekommt ein Gefühl dafür, warum diese Felsen seit Jahrhunderten Menschen faszinieren – ganz ohne Lärm, ganz ohne Eile.
Fazit
Die Scala dei Turchi ist kein Ort, den man „abarbeitet“.
Sie ist ein Ort zum Verweilen, Schauen und Stillwerden.
Gerade dann, wenn sonst niemand da ist.
Sizilien ist voll von solchen Orten, die man nicht plant, sondern entdeckt. So wie das Castello Incantato in Sciacca, das wir ebenfalls eher zufällig besucht haben und das auf seine ganz eigene Weise genauso still und eindrucksvoll ist.
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