Castello Incantato in Sciacca – Ein verwunschener Ort voller Geschichten

Veröffentlicht am 13. Januar 2026 um 09:58

Eine eher unbekannte Sehenswürdigkeit auf Sizilien - das Castello Incantato in Sciacca

Wie wir das Castello Incantato zufällig entdeckt haben 

 

Manchmal sind es genau diese Tage, an denen nichts geplant ist, die einen am meisten überraschen.

Ein Sonntag in Sizilien. Kein Termin, kein Projekt, kein „Wir müssen noch …“.

Also wird gegoogelt um zu schauen, was man so machen könnte und da, ganz weit unten, wird ein "Castello Incantato" vorgeschlagen. Als Disneyfan klingt das "verwunschene Schloss" natürlich direkt gut. Und dann diese zwei sehr überzeugenden Gründe:
 
  • Das Castello Incantato liegt in Sciacca und damit quasi um die Ecke.
  • Wir hatten nichts Besseres zu tun.

 

Also ab ins Auto. Ohne große Erwartungen. Und genau das war unser Glück.

Was wir vorgefunden haben, war still, eigenartig, berührend – und auf eine ganz eigene Weise atemberaubend.

 

Das Castello Incantato in Sciacca ist einer der ungewöhnlichsten Orte Siziliens. Entstanden aus der Vision des Künstlers Filippo Bentivegna, erwartet Besucher hier ein verwunschenes Gelände voller steinerner Gesichter und Geschichten.

 

Ein verwunschener Ort voller Gesichter

Das Castello Incantato, „das verwunschene Schloss“, liegt etwas außerhalb von Sciacca, eingebettet in einen Olivenhain. Schon beim Betreten merkt man: Das hier ist kein klassisches Museum. Es gibt keine perfekten Wege, wenig Hochglanztafeln, kaum Inszenierung.

Stattdessen:
Überall Gesichter.
In Stein gemeißelt.
Aus Felsen herausgearbeitet.
An Mauern, in Bäumen, im Boden.

Hunderte. Wenn nicht sogar Tausende.

Sie schauen dich an. Manche freundlich, manche streng, manche traurig, manche fast schelmisch. Und irgendwie hat man das Gefühl, man stört gerade ein leises Gespräch.

 

Wer war Filippo Bentivegna?

Hinter diesem Ort steckt die Geschichte von Filippo Bentivegna, einem sizilianischen Künstler, der lange Zeit nicht als Künstler wahrgenommen wurde.

Geboren in ärmsten Verhältnissen 1888 in Sciacca und ohne Schulausbildung, wanderte er als junger Mann nach ein paar Jahren in der Marine in die USA aus. Dort erlitt er nach einem schweren Schicksalsschlag – vermutlich einer Gewalterfahrung durch Rassismus begründet – eine psychische Erkrankung. Er kehrte später nach Sizilien zurück und lebte zurückgezogen, arm und von vielen als „verrückt“ abgestempelt.

Was folgte, war sein Lebenswerk.

Bentivegna begann, in seinem Olivenhain Köpfe und Gesichter in Stein zu meißeln. Er erschuf sich ein eigenes Reich, erklärte sich selbst zum König dieses Ortes und nannte sein Grundstück sein Schloss. Sein Castello.

Für ihn waren diese Gesichter keine Dekoration. Sie waren Untertanen, Begleiter, vielleicht auch Gesprächspartner. Ein eigenes Universum, fern von einer Welt, die ihn nie wirklich verstanden hatte.

Heute gilt er als bedeutender Vertreter der Art Brut, der sogenannten Außenseiterkunst

 

Was dich im Castello Incantato erwartet - Zwischen Gänsehaut und Ruhe

Was diesen Ort so besonders macht, ist nicht nur die Geschichte. Es ist die Atmosphäre.
Es ist ruhig. Fast ehrfürchtig. Und obwohl man von so vielen steinernen Blicken umgeben ist, fühlt es sich nicht bedrückend an.

Eher so, als würde man kurz in die Gedankenwelt eines Menschen eintreten dürfen, der sich seine eigene Realität geschaffen hat.

Wir sind langsam durch das Gelände gegangen, haben geschwiegen, geschaut, uns Zeit gelassen. Und genau das ist wichtig hier. Dieser Ort funktioniert nicht im Schnelldurchlauf.

 

Meine Empfehlung - Ideal für einen Sonntagsausflug bei Sciacca

Wenn du in der Gegend von Sciacca bist:
Fahr hin.

Nicht, weil es ein „Must-see“ auf irgendeiner Liste ist.
Sondern weil es anders ist.
Ehrlich. Roh. Unperfekt. Menschlich.

Geh an einem ruhigen Tag. Lass das Handy öfter mal in der Tasche. Lies ein wenig über Filippo Bentivegna, aber lass dir Raum für dein eigenes Empfinden.

Man verlässt das Castello Incantato nicht mit einem klassischen Urlaubsfoto im Kopf – sondern mit einem Gefühl. Und diese bleiben bekanntlich am längsten.

Manchmal entdeckt man die magischsten Orte genau dann, wenn man eigentlich nichts vorhat.

 

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