Siziliens Wasserkrise – zwischen Starkregen, Dürre, Klimawandel und maroden Leitungen

Veröffentlicht am 8. Februar 2026 um 07:09

Bevor wir nach Sizilien gezogen sind, wurden wir mit Warnungen regelrecht bombardiert: 

„Da gibt’s doch kein Wasser!“
„Sizilien wird zur Wüste!“
„Der Süden? Da gibt es doch nur zu viel Wind und zu wenig Wasser!“

Nun ja – das mit dem Wind stimmt.
Aber der Rest? Nach vier Monaten Winter in Sizilien können wir sagen: So einfach ist das alles nicht.

Denn was wir hier erlebt haben, waren nicht ein paar harmlose Regenschauer. Sondern tagelanger Starkregen, Stürme, sintflutartige Güsse und Gewitter, bei denen man kurz überlegt, ob man nicht besser ein Boot statt eines Autos braucht. 

 

Und genau hier beginnt das große Missverständnis rund um Siziliens Wassermangel.

Es regnet – aber das Wasser bleibt nicht

Sizilien leidet nicht generell an zu wenig Niederschlag, sondern an einem massiven Infrastrukturproblem.

Ein großer Teil des Regenwassers:

  • versickert ungenutzt

  • fließt direkt ins Meer

  • oder verschwindet durch marode Wasserleitungen

In vielen Regionen gehen über 50 % des Trinkwassers durch Leckagen verloren, bevor es überhaupt bei Haushalten ankommt. Manche Leitungsnetze stammen noch aus den 1950er- und 60er-Jahren, wurden jahrzehntelang kaum saniert und verlieren täglich Millionen Liter Wasser.

Oder anders gesagt:
Während oben aus dem Himmel fleißig Wasser fällt, tropft es unten aus den Rohren wieder heraus.

Politik, Sparzwang & jahrzehntelange Vernachlässigung

Italien – und besonders Süditalien – kämpft seit Jahrzehnten mit:

  • unterfinanzierter Infrastruktur

  • politischen Blockaden

  • bürokratischen Mammutprojekten

  • chronischem Investitionsstau

Die Wasserversorgung ist davon massiv betroffen. Während in Nordeuropa Wasserverluste von 10–15 % als normal gelten, schlagen 30 % bereits Alarm. In Teilen Süditaliens liegen die Verluste jedoch bei 40–55 % – eine Katastrophe für jedes Versorgungssystem.

Das Problem ist also weniger der Himmel – sondern das, was zwischen Himmel und Wasserhahn passiert.

Wie viel Regen fällt in Sizilien wirklich?

Je nach Region fallen in Sizilien zwischen 500 und 800 Millimeter Niederschlag pro Jahr. In Küstennähe meist etwas weniger, in hügeligen und bergigen Regionen deutlich mehr.

Zum Vergleich:

  • Süddeutschland: ca. 700–1000 mm

  • Norddeutschland: ca. 600–800 mm

Sizilien liegt also nicht dramatisch darunter.

Der Unterschied:
Der Regen kommt hier immer häufiger in kurzen, heftigen Starkregen-Ereignissen, statt gleichmäßig verteilt. Das erschwert Speicherung enorm – und macht funktionierende Auffangsysteme umso wichtiger.

Klimawandel: Wenn Wetterextreme zur neuen Normalität werden

Neben der maroden Infrastruktur spielt der Klimawandel eine immer größere Rolle.

2024 war für Sizilien ein extremes Dürrejahr. Über Monate fiel kaum Regen. Stauseen trockneten aus. Felder verdorrten. Viele Landwirte mussten Tiere notschlachten, weil Wasser und Futter fehlten. Eine Situation, die wirtschaftlich wie emotional dramatisch war.

Und dann, nur ein paar Monate später: Starkregen, Stürme, Überschwemmungen.

Diese extremen Wetterwechsel zeigen sehr deutlich, was Klimawandel bedeutet:
Nicht einfach „wärmer“, sondern unberechenbarer. Längere Dürreperioden wechseln sich mit sintflutartigen Regenfällen ab.

Das Resultat:
Der Regen kommt entweder zu wenig – oder auf einmal viel zu viel.

Beides ist ein Problem.

Wenn zwei Probleme sich gegenseitig verstärken

Der Klimawandel trifft in Sizilien auf ein ohnehin angeschlagenes Wassersystem.

Extreme Trockenphasen wechseln sich mit Starkregen ab – und die veralteten Leitungen, Speicherbecken und Kanäle sind für beides nicht ausgelegt.

So entsteht ein fataler Kreislauf:

  • Zu wenig Regen → Dürre → Wassermangel

  • Zu viel Regen → Überschwemmung → Wasserverlust

In beiden Fällen fehlt am Ende genau das, was eigentlich vorhanden wäre:
nutzbares Wasser.

Unser Winterfazit: Von Wüste keine Spur

Nach vier Monaten in Sizilien können wir sagen:

❌ Staubwüste – nein
❌ Dauer-Trockenheit – nein
❌ Wasserlosigkeit – nein

✔ Starkregen – definitiv
✔ Stürme – regelmäßig
✔ extreme Wetterwechsel – absolut

Wenn dieses Wasser sinnvoll gesammelt, gespeichert und verteilt würde, wäre die Lage um ein Vielfaches entspannter.

 

Warum der Mythos trotzdem so hartnäckig bleibt

Weil Bilder stärker wirken als Statistiken.

Vertrocknete Felder, leere Stauseen, Wasser-Rationierungen im Sommer – all das bleibt im Kopf. Dass es im Winter monatelang gießt, schafft es selten in die Schlagzeilen. Eigentlich erst, wenn ein Zyklon einen Erdrutsch verursacht.

So entsteht das Bild eines dauer-trockenen Siziliens – obwohl die Realität viel komplexer ist.

Ein kleiner Anfang 

Für uns war von Anfang an klar:
Wenn wir hier bauen, dann mit einem durchdachten Regenwasser-Auffangsystem von Anfang an.

Das kostbare Wasser, das hier im Winter in Strömen vom Himmel fällt, soll nicht einfach wieder im Boden oder im Meer verschwinden. Stattdessen möchten wir es sammeln, speichern und weiterverwenden – für Garten, Haushalt, Bewässerung und alles, wofür kein Trinkwasser nötig ist.

Natürlich wird unser kleines System nicht die Wasserversorgung Siziliens retten. Aber es ist unser persönlicher Beitrag. Ein bewusster Umgang. Ein Zeichen von Wertschätzung gegenüber einer Ressource, die viel zu oft als selbstverständlich gesehen wird.

Ein kleiner Anfang.
Aber wenigstens ein Anfang.

Fazit: Das Problem sitzt nicht (nur) im Himmel

Siziliens Wasserkrise ist kein reines Klimaproblem.
Und auch kein reines Infrastrukturproblem.

Sie ist eine Mischung aus beidem.

Es regnet.
Manchmal zu wenig.
Manchmal viel zu viel.

Doch was fehlt, ist ein System, das dieses Wasser sinnvoll nutzt.

Und genau dort liegt die eigentliche Herausforderung für die Zukunft Siziliens.

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